Presse

 

Holz-Zentralblatt 21/2001

 

Rundholzkonservierung in Folie nach „Lothar“

Erste Versuche sind erfolgreich verlaufen – weitere Einsätze in der Praxis vorgesehen

Von Guido Schüler, Dietmar Schleier, Dr. Gerold Mahler und Thomas Maier, Freiburg

Die Bewältigung der Schadholzmengen nach „Lothar“ führte zum Einsatz aller bekannten Konservierungsverfahren. Die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg setzte dabei unter anderem das nach dem Sturm 1990 neu entwickelte Verfahren der Rundholzkonservierung unter Sauerstoffabschluss in größerem Umfang ein.

Bisher wurden etwa 41.000 Festmeter Stammholz (Tabelle 1 ) in 210 Paketen verpackt. Die Paketgrößen reichen von 20 Festmeter bis 600 Festmeter Holzinhalt. Der häufigste Pakettyp für Laubholz hatte 100 Festmeter Holzinhalt, beim Nadelholz waren es 250 Festmeter.

 

Verfahrensprinzip

Das Konservierungsverfahren für frisches Rundholz wurde in einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und der Technischen Universität Dresden entwickelt, mit finanzieller Förderung durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. Die Forschungsarbeit wurde zum Beginn des Jahres 2000 abgeschlossen.

Wie die Ergebnisse zeigen, kann frisches Rundholz in einer sauerstoffarmen Atmosphäre über längere Zeit ohne Qualitätsverlust gelagert werden. Die sauerstoffarme Atmosphäre stellt sich von selbst ein, wenn das frische Holz in einem luftdicht abgeschlossenen Raum gelagert wird. Atmungs- und Gärungsprozesse im Holz führen zu der sauerstoffarmen und kohlendioxidreichen Atmosphäre, die über den Lagerzeitraum erhalten werden muss, um die Entwicklung holzschädigender Pilze und Insekten zu unterbinden.

Technisch wird der luftdichte Abschluss des Holzes durch das Verpacken ganzer Polter in Polyethylenfolie erreicht. Die Folienbahnen werden mit speziellen Geräten verschweißt. Regelmäßige Messungen der Gaszusammensetzung in den Paketen geben Aufschluss über den Verlauf der Konservierung und sind ein wirksames Kontrollinstrument zur rechtzeitigen Erkennung etwaiger Schäden in der Folienhülle.

Fichtenholz wurde auf diese Weise über 4 Jahre gelagert, ohne dass Lagerschäden auftraten. Mit der Holzart Kiefer liegen Erfahrungen über 2 Jahre Lagerdauer, mit Buche über 14 Monate, mit Esche, Ahorn und Birke über 12 Monate Lagerdauer vor. Auch hier blieb die Holzqualität uneingeschränkt erhalten.

Wichtig ist die rasche Verarbeitung des ausgelagerten Holzes. Laubhölzer sollten innerhalb von 1 bis 2 Tagen verarbeitet werden. Das frische Zwischenprodukt ist anschließend künstlich zu trocknen, denn mit dem Zutritt von Sauerstoff aus der Umgebungsluft beginnen Oxidationsprozesse im Holz. Diese können insbesondere bei Laubhölzern in kurzer Zeit zu Farbveränderungen führen (Maier, T. et al., 1999).

Daraus ergibt sich für den Praxiseinsatz des Verfahrens die Empfehlung, empfindliche Laubhölzer, bei denen es vornehmlich auf die Erhaltung einer hellen Farbe ankommt, in Paketgrößen zu verpacken, deren Inhalt innerhalb von einem bis zwei Tagen verarbeitet werden kann.

 

Einsatz nach „Lothar“

Die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg und mehrere Betriebe der Forst- und Holzindustrie in Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben das Verfahren zur Lagerung von Sturmholz eingesetzt. Wichtige Gründe dafür waren die gute Eignung des Konservierungsverfahrens für die Lagerung verschiedener Holzarten insbesondere von Laubholz sowie der von behördlichen Genehmigungen und der Wasserversorgung unabhängige Einsatz.

In enger Kooperation mit einem Furnierwerk und mehreren Sägewerken verpackte die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg bisher etwa 30.500 Fm Stammholz. Dabei wurde die Größe der Pakete auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt. Die Pakete lagern auf zentralen Plätzen, wodurch die logistischen Aufgaben des Verpackens wie auch die Holzanfuhr und Losbildung, konzentriert bewältigt werden konnten. Einer der Lagerplätze ist durchgehend mit Betonsteinen gepflastert und damit vollständig befahrbar. Alle anderen Lagerplätze sind Wiesen entlang von Waldstraßen.

In den Monaten April und Mai wurde Buchenstammholz in Längen zwischen 3 und 10 Meter in Pakete mit je 100 Fm Inhalt für die Verarbeitung in einem Messerfurnierwerk verpackt. Die 36 Pakete liegen auf dem gepflasterten Teil eines geräumten Militärgeländes. Die Verpackung von Fichten- und Tannen-Stammholz in Paketen mit jeweils 200 Fm Lang- oder 250 Fm Kurzholz läuft ebenfalls seit April 2000 und wird entsprechend dem Fortschritt der Sturmholzaufarbeitung fortgesetzt.

Tabelle 1:  Aufstellung der im Jahr 2000 unter Sauerstoffabschluss gelagerte Holzmengen

Holzart Stammholz [Fm]
Furnierqualität Sägequalität Gesamt
  Langholz Kurzholz
Laubholz Buche 8.500 500   9.000
Nadelholz Fichte/Tanne   18.100 13.000 32.300
Lärche/Douglasie   1.200  
Summe 8.500 19.800 13.000 41.300

Die Verpackung wird in mehreren Arbeitschritten durchgeführt. Auf einem von groben Zweigen und Steinen geräumten Untergrund werden die Bodenfolien ausgebreitet. Ein Lkw-Ladekran setzt mit der entsprechenden Vorsicht Fichten-Stammholzabschnitte als Unterlagenhölzer auf der Bodenfolie ab. Auch die erste Stammlage wird mit besonderer Vorsicht auf die Unterlagenhölzer abgesetzt, um die Bodenfolie nicht zu beschädigen.

Die Aufgabe des Lkw-Fahrers besteht darin, die Stämme so abzulegen, dass eine möglichst kompakte Polterform entsteht. Diese kompakte Polterform erleichtert die Verpackungsarbeit, ermöglicht eine optimale Ausnutzung des Verpackungsmaterial und es werden Angriffsstellen für Schäden an der Folienhülle vermieden.

Scharfe Kanten auf der Oberfläche des fertig gesetzten Polters werden mit der Motorsäge geglättet, bevor das Verpackungsteam die Deckfolie über dem Holz ausbreitet. Mit einem speziellen Schweißgerät werden Deck- und Bodenfolie miteinander verschweißt. Das Verpackungsteam besteht aus entsprechend geschulten Mitarbeitern, die für alle Arbeitsschritte des Verpackens verantwortlich sind.

Die Koordination der Schulung der Mitarbeiter und der Verpackungsmaßnahmen lag in den Händen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Abteilung Arbeitswirtschaft und Forstbenutzung.

Ein kommerzieller Anbieter verpackte für Forstbetriebe, Säge- und Furnierwerke weitere 11.500 Festmeter Stammholz, davon rund 50% Buche. Die Furnier- und Sägewerke lagerten, von zwei Ausnahmen abgesehen, die Pakete auf dem Werksgelände. Der Verpackungsablauf entsprach dem oben beschriebenen Vorgehen.

Die Pakete in windexponierter Lage wurden zusätzlich mit einem Netz überspannt. Dieses Netz verhindert Bewegungen der Folienhülle im Wind weitgehend und beugt damit Schäden vor.

 

Holzqualität

Erste Pakete mit Buchenholz wurden nach sechs Monaten Lagerdauer geöffnet und das Holz zu Messer- und Schälfurnier verarbeitet. Die Verarbeiter zeigten sich mit der Holzqualität sehr zufrieden.

Gleiches gilt für Fichten-Stammholz in langer Form. Entscheidend für die effiziente Anwendung des Verfahrens ist die Organisation der Logistik von der Vorbereitung der Lagerplätze, über die Holzanfuhr bis zum Verschluss der Pakete.

 

Risiken

Der Konservierungserfolg hängt von der Frische des Holzes bei der Einlagerung und der Erhaltung einer nahezu sauerstofffreien und kohlendioxidreichen Atmosphäre ab. Je frischer das Holz verpackt wird, um so intensiver verlaufen die sauerstoffzehrenden Prozesse. Die Erhaltung der konservierenden Atmosphäre hängt von der Dichtheit der Folienhülle ab.

Ein Risiko stellen Fraßschäden durch Mäuse an der Folie dar. Besonders gefährdet sind Standorte im Wald und auf Wiesen. Jedoch traten auch auf einem Lagerplatz mit reinem Sand als Untergrund Schäden auf. Um der Gefahr von Mäuseschäden vorzubeugen, wird der Einsatz eines stabilen Kunststoffgitters als Unterlage erprobt.

Erste Beobachtungen an Lagerplätzen, auf denen Pakete mit und ohne Kunststoffgitter parallel angelegt worden waren zeigten, dass die Pakete ohne Gitter Fraßschäden aufwiesen und die Pakete mit Gitterunterlage bisher unbeschädigt blieben. Weitere Beobachtungen werden zeigen, ob durch den Einsatz des Schutzgitters Fraßschäden an der Folienhülle auf Dauer vermieden werden können.

 

Ausblick

Das Verfahren der Konservierung von frischem Holz unter Sauerstoffabschluss steht erst am Anfang seiner eigentlichen technischen Entwicklung. Die Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass das Konservierungsprinzip funktioniert.

Laufende und zukünftige Anwendungen unter Praxisbedingungen werden zur Verbesserung und Weiterentwicklung der technischen Details beitragen. Am Ende der Entwicklung wird ein zuverlässiges Verfahren stehen, das sehr individuell auf die Erfordernisse der Anwender abgestimmt werden kann.

 

Schrifttum:

Maier, T.; Schüler, G.; Mahler, G. (1999): Ganzjährig frisches Rundholz aus dem Lager. In: Holz-Zentralblatt Nr. 73. 125. Jahrgang. Seite 1092 – 1094.